Die Initiative für eine stärkere Vernetzung der Buchbranche. Seit 2009. Von Leander Wattig / Orbanism.

Julia Wagner: Auf DEINTEXTDEINBUCH können Autoren Verlage und Literaturagenturen finden

24. April 2015

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Julia Wagner

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich heiße Julia Wagner und ich betreibe die Internet-Plattform www.deintextdeinbuch.de, auf der Autoren einen Verlag oder eine Literaturagentur für ihr Buch finden können. Die Autoren melden sich dafür an und stellen eine Leseprobe zusammen mit einem Exposé, Kurztext und Vita ein. Lektoren und Agenten registrieren sich und können dann ganz einfach nach bestimmten Genres oder Begriffen suchen.

Da ich selbst lange als Lektorin in einem Publikumsverlag gearbeitet habe, weiß ich, dass das Zusammenfinden von Autor und Verlag nach wie vor schwierig ist, weil Autoren oft nicht wissen an wen sie sich wenden sollen, wenn sie ein Buch geschrieben haben. Diese Lücke soll meine Website auf unkompliziertem Wege schließen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Den typischen Arbeitstag gibt es bislang noch nicht, da wir erst am 10. April online gegangen sind. Als erstes fahre ich aber immer meinen Computer hoch, lese und beantworte Mails. Das kann schon mal zwei Stunden dauern.Dann schaue ich auf unserer Facebook-Seite und bei Google+ vorbei; montags, mittwochs und freitags poste ich etwas. Dann bastele ich zusammen mit meinem Programmierer an der Website rum, optimiere und ergänze Texte, versuche Autoren-Feedback umzusetzen. Mittags gehe ich meistens mit einem meiner Verlags- oder Agenturkontakte essen. So bleibe ich auf dem Laufenden, was in den Verlagen und Literaturagenturen passiert.

Solch ein Tag geht schnell rum: Es gibt immer etwas zu verbessern, zu recherchieren oder zu überlegen. Mein Unternehmen ist jung und ich bin ständig auf der Suche und denke über Details nach.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Vor dem Live-Gang habe ich vor allem an den Funktionsweisen der Website rumgetüftelt. Da haben Telefonate mit dem Programmierer und Beta-Testern den Arbeitstag bestimmt. Wir haben viel über technische Möglichkeiten nachgedacht und diskutiert. Jetzt muss die Website in der Realität bestehen – und das tut sie Gott sei Dank. Und ich kann mich auf die Akquise neuer Autoren, Lektoren und Agenten konzentrieren – Dank meines Netzwerkes klappt auch das sehr gut.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ich habe unterschätzt, wie viele Autoren schon schlechte Erfahrungen mit Zuschussverlagen gemacht haben. Die Angst davor, dass die sich auf DEINTEXTDEINBUCH herumtreiben, ist riesig! Ich habe das, wie gesagt, zwar unterschätzt, aber doch damit gerechnet und eine Sicherheitsfunktion eingebaut: Jeder Lektor oder Agent kann eine Registrierung per Mausklick anfragen, aber ich entscheide selbst, wer zugelassen wird. Das geht Dank technischer Lösungen schnell und unkompliziert. Mir ist die Kontrolle über den Zugang zu den Texten und Daten von Autoren extrem wichtig. Bei uns kann z.B. auch kein Autor sehen, welche anderen Autoren ihre Manuskripte anbieten.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Ich suche natürlich zum einen Autoren, die einen Verlag oder eine Agentur finden wollen und zum anderen Lektoren und Agenten, die bei uns nach neuen Autoren suchen.

Wo finden wir Sie im Internet?

www.deintextdeinbuch.de

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Julia Wagner

Job- und Projektangebote seit Ende März

22. April 2015

PublishingMarkt.de ist die Job- und Projektbörse für den Publishing-Markt – kostenlos nutzbar und redaktionell gepflegt von Leander Wattig. Auf dieser Seite können Unternehmen und Kreativschaffende kostenlos und ohne Anmeldung oder Registrierung Einträge erstellen. Nach Verfassen und Freigabe eines Eintrags wird eine Bestätigung an die vom Akteur hinterlegte E-Mail-Adresse verschickt. In dieser E-Mail befindet sich auch ein Link, über den ein späteres Bearbeiten oder Löschen des Eintrags möglich ist. Sie können also komplett eigenständig und unabhängig agieren, was allen Beteiligten Zeit spart.

Job- und Projektangebote seit Ende März

Denise Sudau: e-ditio ist eine Online-Plattform für internationale Lektoratsdienstleistungen

22. April 2015

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Denise SudauWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin die, die sich über gute digitale Bücher freut und gern damit arbeitet — sogar eigenständig. Ich habe in diesem Jahr e-ditio gegründet, die Online-Plattform für internationale Lektoratsdienstleistungen (Übersetzungen, Lektorat und Korrektorat). Autoren, Verlagsmitarbeiter oder Wissenschaftler können sich hier anmelden, eine Leseprobe hochladen und dann auf Grundlage ihres Textes einen passenden und geprüften Übersetzer oder einen professionellen Lektor oder Korrektor finden.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich nehme mal keinen der Reisetage: zu früh aufstehen, auf Verkehrsmittel warten, dann vorläufig in einer Stadt verweilen, von der man nicht viel mitbekommt, weil man von einem Treffen zum nächsten pilgert – das kennen viele Leute auf die eine oder andere Weise.

Tatsächlich bin ich aber gerade durchaus viel unterwegs und habe das Glück, Menschen aus anderen Sprachräumen zu begegnen, die oft ziemlich ähnliche Perspektiven oder komplett andere Schwerpunkte in puncto Self-Publishing und Digitalisierung des Verlagswesens haben. Das ist großartig, denn jedes Mal offenbart sich ein neues Detail.

Außerdem werden im Arbeitsalltag Anmeldungen, sprich Bewerbungen sorgsam geprüft, Fragen von Autoren und Kooperationspartnern beantwortet, Hinweise für die Profilerstellung gegeben sowie neue Features in der Software implementiert und getestet.

Jetzt mit den Titeln des e-ditio Independent Publishing Award, bei dem gut lektorierte E-Books von Self-Publishern ausgezeichnet werden, gibt es auch wieder mehr Lesezeit. Da sind ungewöhnliche, spannende bis amüsante Titel dabei – die meisten Indie-Autoren sind wirkliche Meister im Erweitern von Genre-Grenzen. Es gibt auch einige Schätze, die sich dabei entdecken lassen. Und manchmal werden sogar Empfehlungen für Verlage daraus…

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Mit neuen Features der Plattform e-ditio verändern sich auch stets die Aufgabenschwerpunkte, Neues kommt hinzu und anderes ist an die Technik abgegeben. Vor allem administrative Aufgaben lassen sich so elegant mit Algorithmen lösen – und dann bleibt mehr Zeit für Strategien und fürs Lesen.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Problematisch ist es zum Beispiel, Finanzierungsmöglichkeiten für Autoren zu finden, um sie bei ihrer ersten Publikation zu unterstützen.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Autoren und Autorinnen sowie Wissenschaftler, die ihre Texte professionell übersetzt oder überarbeitet haben möchten; Unternehmen und Menschen, die Indie-Autoren finanziell unterstützen möchten oder sich im Bereich des digitalen Publizierens tummeln. Und natürlich immer erfahrene Literaturübersetzer!

Wo finden wir Sie im Internet?

Auf jeden Fall auf www.e-ditio.de oder auf der englischsprachigen Seite: www.e-ditio.eu

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Denise Sudau

Alexander Emmerich: Wir möchten Buchschaffende in Paris stärker vernetzen

15. April 2015

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Alexander EmmerichWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Alexander Emmerich. Seit 2007 arbeite ich als Autor und schreibe hauptsächlich Sachbücher, Hörbücher und Krimis. 2014 habe ich die Schreibtischseiten gewechselt und zusammen mit der Autorin Cristina Stanca-Mustea den Zauberberg Verlag gegründet. In diesem Verlag erschien 2015 auch mein erster Roman „Fernsehen gernsehen“ und Cristinas Schwedenthriller „Das Geheimnis des Mittsommers“.

Im Laufe der letzten acht Jahre habe ich beinahe jeden einzelnen Schritt des Buchmachens begleitet, Verlage beraten und „irgendetwas mit Büchern“ gemacht. Als Verleger habe ich nun endlich die freie Entscheidungsmöglichkeit, meine Erfahrungen anzuwenden und schnell zu reagieren, wenn sich etwas Neues in der Buchbranche tut. Darauf freue ich mich.

Durch meinen Familienhintergrund bin ich zudem sehr an der französischen Literaturszene interessiert, weshalb der Zauberberg Verlag auch ein kleines Büro in Paris hat. Mit Bedauern sehen wir gerade, wie die beiden letzten deutschsprachigen Buchläden in der französischen Hauptstadt schließen, denn wir würden gerne die deutschsprachige Szene in Frankreich mit französischen Buchmenschen zusammenbringen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Jeder Tag ist anders… Genau das würden wahrscheinlich die meisten aus unserer Branche schreiben. Aber das ist es ja, was sie letztlich so spannend aber auch so unglaublich attraktiv macht. Im Zauberberg Verlag bin ich in alle Schritte des Buchmachens involviert. Ich hecke gerne mit meinem Team neue Ideen für den Verlag aus, diskutiere mit Autoren deren Manuskripte, kümmere mich darum, dass die Bücher in den Handel kommen, und versuche ständig und mit der Hilfe von jungen, schlauen Köpfen und alten Hasen, neue Ideen für die Branche zu entwickeln. Vielleicht haben all die unterschiedlichen Arbeitstage zumindest eines gemeinsam: Sie sind alle viel zu kurz. Ich könnte mich gut und gerne 48 Stunden am Tag mit Büchern beschäftigen.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Bereits als Autor habe ich immer eng mit meinen Verlagen zusammengearbeitet. Da ich vor der Verlagsgründung neben meiner Autorentätigkeit zudem in der digitalen Welt gearbeitet habe, stand ich meinen Verlagen immer auch mit Rat und Tat zur Seite, was die jeweilige Online-Kommunikation betrifft. In den letzten Jahren konnte ich eine wachsende Bereitschaft beobachten, sich auf die digitale Welt einzulassen. Die digitale Welt kann Verlage, Leser, Autoren und Buchhändler näher zusammenbringen. Wenn man aufeinander hört, können alle Seiten davon profitieren.

Durch die Verlagsgründung selbst hat sich natürlich viel für mich persönlich verändert. Zeit zum Schreiben habe ich kaum noch. Dafür suche ich nun ständig selbst nach Autoren und deren Geschichten. Oder mir fällt eine Geschichte ein, die wunderbar zum Zauberberg Verlag passen würde, und ich muss „nur“ noch den richtigen Autor dafür begeistern, weil ich sie selbst nicht schreiben kann…

Auch der Blick als Verlegers auf die Branche und auf die eigenen Autoren ist ein anderer. Ich hoffe daher immer, dass meine Vergangenheit als Autor mich zu einem besonderen Verleger macht, der nicht an den Autoren vorbei arbeitet.

Auch wird man als Verleger anders wahrgenommen. Am deutlichsten habe ich dies gemerkt, als der große und von mir sehr verehrte Nick Hornby mir zur Verlagsgründung und zum Erscheinen von „Fernsehen gernsehen“ gratuliert hat, obwohl er selbst eigentlich gerade voll und ganz mit seinem neuen Roman sowie mit dem 20. Jubiläum von „High Fidelity“ beschäftigt sein müsste.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Bislang haben wir für jedes Problem die passende Lösung gefunden. Daher bin ich sehr stolz auf alle, die beim Aufbau des Verlags mit angepackt haben.

Was mich aber zum Start des Verlags überrascht hat, war der Vorwurf, dass der Zauberberg Verlag ja „neu“ sei! In anderen Branchen erfindet man immer wieder Dinge, die vermeintlich „neu“ sein sollen, wie die „neue Formel, die Wäsche noch sauberer macht“, obwohl man eigentlich nur alten Wein in neuen Schläuchen verkauft. In der Buchbranche scheint „neu“ eher hinderlich zu sein. Man ist unsicher und kann nicht absehen, wohin sich neue Dinge im Buchmarkt entwickeln. Aber da man ja nur einmal neu ist, sollte man dieses „Label“ trotzdem unbedingt nutzen.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Eine Herausforderung ist, dass wir „Entwicklungsromane“ suchen. Oder „Adoleszenzromane“, „Bildungsromane“ oder „Coming-of-Age-Geschichten“ oder wie auch immer man dieses Genre nennen mag. Wir suchen Geschichten über das Erwachsenwerden, über die Suche nach Freundschaft, nach einem Zuhause. Dieses klassische Genre scheint mir eingestaubt. Es funktioniert im Angelsächsischen wunderbar, nur hierzulande hat man es nahezu vergessen. Daher haben wir uns entschlossen, diesem Genre neues Leben einzuhauchen und die „Sammlung Zauberberg“ auf die Beine gestellt, deren erste drei Entwicklungsromane „Die letzte Nacht des Matze Blitz“ von Aleks Wiercinski, „Horizont der Ewigkeit“ von Elfie Böge und „Fernsehen gernsehen“ von mir gerade erschienen sind. Also, wenn jemand einen fertigen Entwicklungsroman oder eine schöne Coming-of-Age-Geschichte in der Schublade hat – schreibt uns an!

Darüber hinaus suchen wir deutsch-französische Buchschaffende, um uns in Paris stärker zu vernetzen, auszutauschen und eventuell gemeinsame Projekte anzugehen. Wenn ihr also im Großraum Paris lebt, literarisch interessiert seid, dann meldet euch. Vielleicht lässt sich ein #pubnpub-Stammtisch einrichten?

Wo finden wir Sie im Internet?

Also, den Verlag findet man hier: www.zauberberg-verlag.de oder hier www.facebook.com/zauberbergverlag

Wer sich für meinen Roman „Fernsehen gernsehen“ und für mich als Autor interessiert, der sollte hier nachschauen: www.facebook.com/AlexanderEmmerichAutor

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Alexander Emmerich

Simona Dobrescu: Ich bin Indie-Autorin und betreibe die Social-Reading-Plattform book-date.de

13. April 2015

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Simona DobrescuWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin Simona Dobrescu, lebe im schönen München und habe im doppelten Sinn etwas mit Büchern zu tun: als Indie-Autorin im Bereich Jugendbuch/Fantasy und als Betreiberin von book-date.de – einer neuen, innovativen und unabhängigen Social-Reading-Plattform, auf der wir unsere Nutzer über deren Lieblingsbücher zum Date bitten. Oder wie wir sagen: Brücken schlagen lassen. :)

Für jeden der jetzt Fragezeichen in den Augen hat: book-date ist ein langgehegter Traum von mir gewesen, der jetzt, da er täglich hunderte Buchfans zusammenführt, mein ganzer Stolz ist. Alle, die sich darauf austoben, neue Freundschaften schmieden und erste Begegnungen erleben, eint die Liebe zum geschriebenen Wort. Das merkt man an den Rezensionen, Kommentaren, bei dem Blick in die individuellen Bücherregale.

Das Besondere an der Community ist, wie der Name schon sagt, das Buch. Findung und Kontaktaufnahme zwischen Nutzern erfolgt nur über gelesene Werke, die Lesefans rezensieren, archivieren oder kommentieren. Jede dieser Aktivitäten arbeitet für den User und macht ihn für andere sichtbar. Je mehr Content ein Nutzer generiert, desto sichtbarer wird er und desto stärker agieren seine Inhalte wie Brücken. Findung und Kontaktaufnahme erfolgen ausschließlich über Content, damit ist die Schnittstelle zwischen zwei book-datern einzig das Buch. Responsive Design ermöglicht zudem die Nutzung auf jedem Endgerät, unterwegs, auf der Couch, überall. Oder in einem Satz: book-date macht einfach Spaß.

Schreibe ich nicht an der Fortsetzung zu meinem Debütroman “Verdammt. Verliebt.” oder sitze vor meinem PC für book-date bzw. tausche mich auf dem Portal aus, bin ich auf dem Golfplatz anzutreffen (fragt mich bloß nicht nach meinem Handicap, lol) oder probiere beim Kochen neue Gerichte aus, mache es mir mit einem guten Roman im Westpark gemütlich oder plane die nächste Reise (Fernweh-geplagt? Ich auch!).

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

So etwas wie einen typischen Arbeitsalltag habe ich nicht. Mein Terminplan diktiert den Ablauf, aber in der Regel ist es so, dass ich eine 70/30-Aufteilung anstrebe: 70 Prozent book-date, sprich Koordination, Social Media, Pressearbeit, Telefonate, Partner-Kontakt; 30 Prozent fallen auf Schreibarbeit für VV2 (Verdammt. Verliebt. 2), Fanpflege inklusive.

Ich habe das Glück von zu Hause zu arbeiten, da macht selbst ein Schreibflash bis Mitternacht keine großen Umstände, da ich im Anschluss ein Zimmer weiter ins Bett fallen kann. Ich liebe meine Arbeit und hoffe, dass man das am Ergebnis sehen kann.

Um eine Frage vorwegzunehmen: Beide Teile liegen mir am Herzen, da beide meine Leidenschaft definieren – Bücher.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Zu Anfang war es jeweils eine Idee, die mich hartnäckigerweise nicht losließ, “Veröffentliche dein Skript schon, was kann groß passieren?”, oder “Recherchiere, ob sich diese Community umsetzten lässt, dann hast du wenigstens deine Antworten”.

Nun lebe ich meine Ideen und das macht Spaß, ist aber auch viel Arbeit. Um davon leben zu können, muss man sich absetzen von der Masse und die kritischen Leser bzw. Nutzer überzeugen. Das war am Anfang nicht leicht und nur allmählich entspanne ich mich und erkenne, das Übung den Meister macht. Ich höre meinen Lesern und jedem book-dater gerne zu, lerne dadurch und gebe das Ergebnis dessen so gut es geht zurück. Inspiration ist allgegenwärtig, jetzt lasse ich sie mir zufliegen, anstatt sie auftreiben zu wollen.

Was soll ich sagen, es stimmt: Man wächst mit seinen Aufgaben!

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Mein Perfektionismus.

Es fällt mir nicht immer leicht, mich zum Beispiel mit einer Marketing-Kampagne zufrieden zu geben, egal ob ich sie komplett alleine ausarbeite oder nicht. Manchmal fange ich einen Tag vor der Deadline an, sie von vorne aufzusetzen, meistens lasse ich es aber, weil ich sie rückblickend doch so am Besten finde, wie sie ursprünglich gemeint war. Funktionen auf book-date.de (zuletzt “Nachrichten” betreffend), die von meinem Team perfekt intuitiv ausgedacht wurden, wirken auf mich plötzlich kompliziert. Das Phänomen findet sich auch beim Schreiben, wenn ich ganze Textpassagen/Kapitel lösche oder umarbeite und in ein “Notizen”-Dok verschiebe, nur um zu merken, dass sie Sinn gemacht haben.

Früher war das penetranter, heute werde ich einfach “Zen” und atme tief durch. Wir sind ein Start-up, lernen dazu und vermutlich nie aus. Das macht es spannend und hält uns auf Trab! Und mein Roman ist kein statisches Ding sondern entwickelt sich mit der Geschichte. Was soll’s, dass ich am Nachmittag noch nicht weiß, wo ich am Abend rauskomme?

Der Weg ist das Ziel. ;)

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Klasse Frage. Die Antwort ist einfach: Jedermann.

Zuallererst wende ich mich an den begeisterten Leser. Ist euer Geist offen für neue Genres, neue Werke? Teilt ihr gerne euer Wissen damit es sich vermehrt oder wollt ihr Inspiration für andere, Ratgeber, Botschafter sein? Dann rauf auf www.book-date.de und schlagt Brücken zueinander. Mich findet ihr bei der Freundessuche unter “Simona”.

Autoren, Verlage, Blogger, Buchhändler und Co. erhalten in der zweiten Jahreshälfte aufregende Möglichkeiten, sich auf unserem schnell wachsenden Portal zu positionieren. Die entsprechenden Programme starten dann.

Über Kontaktaufnahmen aus diesen Branchenfeldern freue ich mich aber natürlich jederzeit, da ich den Austausch untereinander sehr konstruktiv und spannend finde – und mich darauf freue.

Denn nicht nur auf book-date.de – auch im Web 2.0 ist es sinnvoll, stets neue Kontakte zu knüpfen. Vernetzung ist das Stichwort. Bücher bereichern das Leben, egal in welcher Form. Also keine Angst und meldet euch :).

Wo finden wir Sie im Internet?

Unter www.simonadobrescu.de dreht es sich hauptsächlich um mich als Autorin. Zum dazugehörigen Roman, der bald eine Fortsetzung erhält und (kneiff’ mich Mal jemand) ein amazon-Bestseller wurde, geht es ist hier entlang. Ich habe eine Fanpage auf Facebook und tweete hin und wieder.

Auf www.book-date.de finden sich alle eure Lieblingsbücher und warten darauf Brücken zwischen euch zu schlagen. book-date findet ihr auch auf:

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Simona Dobrescu

Charlotte Stiefel: Ich habe den ersten nachhaltigen Kinderbuchverlag Deutschlands gegründet

8. April 2015

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Charlotte Stiefel

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin Charlotte Stiefel und habe den ersten nachhaltigen Kinderbuchverlag Deutschlands gegründet. Als ich feststellte, dass gerade die Bilderbuchproduktion viele negative Auswirkungen auf unsere Umwelt und ebenso auf die Gesundheit unserer Kinder hat, beschloss ich, einen eigenen Verlag mit dem frechen Namen neunmalklug zu gründen – einen, der anders handelt und arbeitet. Ich möchte, dass gerade Kleinkinder ihre Bücher ruhig auch mit dem Mund erkunden können, ohne Schadstoffe aufzunehmen.

neunmalklug produziert nach dem Cradle to Cradle-Verfahren: alle Bücher sind frei von Giftstoffen. Ganz ohne Bedenken können unsere Bücher angeknabbert oder in den Mund genommen werden. Kinder können so ihr Umfeld mit allen Sinnen erkunden und Mama und Papa können sich entspannt zurücklehnen.

Und der Umwelt tun sie auch nicht weh. Im Gegenteil: Dank der komplett schadstofffreien Herstellung könnten die Bücher sogar kompostiert werden.

Damit sind unsere Bücher nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft gut für unsere kleinen Leser.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich arbeite von verschiedenen Orten aus. Mal von meinem Coworking-Platz in Frankfurt, dann fange ich bereits um 7 Uhr an. Während ich gemütlich meinen Latte Macchiato schlürfe, werden die ersten E-Mails beantwortet und die Social Media-Kanäle nach interessanten Beiträgen durchforstet. Wenn ich von daheim aus arbeite, wird erst einmal mit meiner Familie ausgiebig gefrühstückt, bevor ich mich in mein Büro zurückziehe.

Für jeden Tag lege ich mir entweder morgens oder am Abend davor eine handgeschriebene To-Do-Liste an, die ich versuche erfolgreich abzuarbeiten. Aber meistens kommen so viele neue und überraschende Dinge auf mich zu, dass der Tag immer anders endet, als ich mir das vorgenommen hatte.

Da mein kleines Team verstreut in Deutschland sitzt, kommunizieren wir vorwiegend über verschiedene Online-Tools. Dadurch kann jeder ortsunabhängig die anfallenden Aufgaben dem eigenen Rhythmus entsprechend abarbeiten. Für ein paar Stunden am Tag sind wir jedoch auch gleichzeitig am Rechner und können uns über Arbeitsfortschritte oder Probleme austauschen. Allerdings bringt die Arbeit übers Internet – fernab eines Büros mit geregelten Arbeitszeiten – auch den Nachteil mit sich, dass ich rund um die Uhr auf mein Smartphone und eine funktionierende Internetverbidnung angewiesen bin.

Als Geschäftsführerin unseres noch sehr jungen Verlags arbeite ich in allen Bereichen: Marketing, PR, Vertrieb, Finanzwesen. Doch am liebsten beschäftige ich mich mit den herstellerischen Themen wie Satz, Layout und der Arbeit mit den Druckereien. Auch der enge Kontakt zu meinen Autoren und Illustratoren macht mir viel Freude. Ich frage dann nach ihren Wünschen und Ideen und gebe ihnen die Gelegenheit diese einzubringen.

Mein Tag endet zwar zu unterschiedlichen Zeiten, aber immer gleich: Nämlich damit, dass ich meinen Schreibtisch leer räume, sodass ich am nächsten Morgen mit einem freien Kopf starten kann. Dieser einfache Tipp eines Coaches war für mich Gold wert.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Am Anfang musste ich alle Entscheidungen selbst treffen und Unsicherheiten mit mir alleine klären. Das war frustrierend und ich stand oft an einem Punkt, an dem ich nicht weiterkam. Über verschiedene Wege sind dann Menschen auf mich zugekommen, die mich nun als kleines Team in allem unterstützen. Dadurch sind viele neue Ideen entstanden, auch der Verlagsname und das Logo sind durch zwei meiner lieben Kolleginnen geboren worden. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten mit der Wahl des richtigen Online-Kommunikationskanals sind wir jetzt aber auch hier gut für eine städteübergreifende Verlagsarbeit gerüstet. Seit Kurzem habe ich auch eine Praktikantin an meiner Seite, die mir wunderbar bei den textlichen Arbeiten und der Betreuung der Social Media-Kanäle unter die Arme greift.

Das Schönste ist, dass wir alle mit Herzblut hinter dem Verlag stehen und uns gegenseitig unterstützen und motivieren. Bisher verdient noch niemand von uns Geld mit dem Verlag, aber die Freude an der Arbeit ist da und jeden Tag lernen wir etwas Neues.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Das typische Problem kleiner neuer Verlage: Wie werde ich bekannt und von den Buchhändlern ernst genommen? Dazu kommt in meinem speziellen Fall: Wie kläre ich Kunden und Händler über die negativen Seiten der Buchproduktion auf, bringe ihnen damit den Ursprung meines besonderen Verlagskonzeptes näher und verkaufe dabei gleich noch meine Bücher? … und das am besten ohne bösen Fingerzeig.

Zur Zeit versuchen wir verstärkt in Social Media-Kanälen unsere Kunden zu erreichen. Das klappt ganz gut, erfordert aber auch viel Zeit und Arbeit.

Schön wäre es, wenn das Thema Nachhaltigkeit eines Tages auch in der Buchbranche eine gewissen Präsenz erreicht hat, sodass die Kunden automatisch umweltfreundlich produzierte Bücher kaufen möchten und wir nicht mehr so viel Zeit in Aufklärungsarbeit investieren müssten. Aber genau deshalb habe ich ja auch den neunmalklug verlag gegründet, damit dieser Traum irgendwann Realität wird.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Menschen aus der Buchbranche, Händler, Förderer, die sich ebenfalls mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen und wie wir über den Tellerrand schauen.

Wo finden wir Sie im Internet?

www.neunmalklug-verlag.de

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Charlotte Stiefel

Peter Korneffel: Bücher haben für mich etwas tief Verbindliches

7. April 2015

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Peter Korneffel (r) im Gespräch mit einem Fischer auf der Insel Santa Cruz del Islote / Kolumbien, der am dichtesten besiedelten Insel der Erde.

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Werde Polizeikommissar oder Filialleiter der örtlichen Sparkasse, auf jeden Fall was Anständiges. Bloß nicht Handelsvertreter für Wella Haarkosmetik. Das mache den Rücken kaputt. Mein Vater setzte sich trotz bester Kontakte im sauberen Münster nicht durch. Ich wurde Diplom-Pädagoge, also was Unanständiges. Und bald darauf politischer Kabarettist, in höchstem Maße unartig.

Erst ein paar Jahre später, als ich am Morgen des 1. November 1994 mit zwei Taschen an der Mole von Vlissingen auftauche und den holländischen Dreimaster Rembrandt van Rijn besteige, höre ich, wonach meine Seele schreit. Ich wandere aus und werde Reporter, einen Auftrag der Frankfurter Rundschau in der Tasche und 43 Tage Überfahrt nach Mittelamerika im Dunst der salzigen Hafenluft.

Insgesamt vierzehn Jahre schreibe ich aus dem Ausland. Reportagen zu Ökologie, Wirtschaft und Sozialem, zu Menschenrechten, Entwicklungsarbeit und fernen Reisezielen. Ich lebe in Ecuador und Kolumbien und bereise fast ganz Lateinamerika. Für kleine Magazine, für Fachblätter und für die großen: für DPA, die ZEIT, für GEO und für MARE. Dann gehe ich nach Spanien und werde Korrespondent der “Neuen Energie” und berichte gelegentlich für die ZEIT.

Bücher sind lange Zeit fein ausgebaute Sammelbecken meiner Arbeiten und meines Lebens in Ecuador, wo ich acht Jahre lang einen neuen Blick auf die Welt erlerne. Ich schreibe hier Reiseführer für den MAI Verlag, werde Ghostwriter und finde schließlich den DuMont Reiseverlag als tiefen Hafen. Nebenbei entsteht noch eine Sammlung von zwei Dutzend Reportagen aus Ecuador in Buchform.

Bücher zu schreiben ist im Auge eines Wella-Vertreters im Grunde das Unsinnigste, was man tun kann, ein brotloses Sich-Aufreiben für eine kleine Leserschaft. Mein Vater stirbt schließlich in dem Jahr, in dem mein erstes Buch erscheint. Jedoch nicht an väterlicher Verzweiflung. Krebs. Noch auf dem Sterbebett empfiehlt er seinem behandelnden Arzt, der nach Ecuador reisen will, mein Buch. Bücher haben für mich etwas tief Verbindliches. Sie sind persönlich, fast intim, sie verleiten, sie verbrüdern, sie provozieren, sie überraschen, sie erklären und sie machen Frieden. 2015 habe ich mein erstes Buch über Berlin veröffentlicht.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Den gibt es nicht. Es gibt da einen unspektakulären Büroalltag. Die weißgraue Nachbarskatze, die immer wieder durchs Fenster auf meinen Schreibtisch lugt, könnte nicht sagen, ob ich ein Buch schreibe, ob ich nach einem Bankräuber fahnde oder einen Banküberfall vorbereite. Spannend hingegen sind die Recherchen ohne Maus und Bildschirm. Ich gehe raus. Ich treffe Menschen, führe Interviews oder höre einfach zu. Ich gucke, ich rieche, ich schmecke, ich ertaste, ich fühle. Ich versuche, all das zu ordnen oder das Chaos in Worte zu fassen. Oft ist es schön, wenn es sich nicht ordnen lässt. Was die Katze nicht weiß: ich liebe es, das Aufgesogene zu Papier zu bringen und später vor ihren Augen mit zwei Fingern in die Tasten zu hauen. Und wenn ich über lange Wochen und bis in die Abendstunden an meinen Texten sitze, ahnt sie vielleicht doch, dass hier ein großes Werk entsteht. Ich will dem gutmütigen Tier ja nicht die pure Ahnungslosigkeit unterstellen. Zumindest guckt die Katze dann als wolle sie sagen: “Wenn das mal nicht ein Buch wird?!”

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Das Schreiben eines Buches ist zunächst eine längere Episode, ein Mammutwerk aus Ideen, Fleiß und Hingabe. Das Literarische wird unvermeidbar begleitet von Verlagskontakten und davon getrieben, seine Haut bestmöglich zu verkaufen, ohne dass die Seele raus fällt. Nach dem Erscheinen des Buchs kehre ich bald zurück zum Geldverdienen, als Reporter, als Fernsehkritiker, als Lektor, als Leiter von Leserreisen der ZEIT. Und irgendwann gibt es eine dritte Phase, etwa wenn es darum geht, ein Reisebuch zu aktualisieren, wenn ich Leserbriefe auswerte, Orte erneut besuche, noch tiefer in die Materie eindringe als zuvor. Plötzlich wird das eigene Buch zu einem Resonanzraum, einer Stütze, einem Freund. So bereise ich Ecuador heute nicht mehr ohne mein Buch, ohne jenes abgegriffene Exemplar mit dem lieblosen Aufkleber auf dem Titel und dem bedrohlich trockenen Edding-Vermerk “Autorenexemplar”. Mein Freund das Buch sorgt am Ende sogar für eine Art Rente, Herr Riester!

Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass mir die Beziehung zu meinen Büchern wichtiger ist als aufregende Reportagen, die im Dschungel der Printmedien für eine kurze Phase viele Leser finden, doch bei vielen Magazinlesern schon bald allenfalls vage Erinnerung hinter sich herziehen.

Mit meinem jüngsten Buch über die “Biermanufakturen in Berlin” spüre ich, dass ich eine Szene porträtiere, mich in ihr bewege und ihr ein gewisser begleitender Chronist werde, der hoffentlich den kritischen Blick nicht verliert. Ich entdecke meine Lust, aus dem Buch vorzulesen, an Diskussionen teilzunehmen, im Radio darüber zu sprechen, sogar an einem nüchternen Büchertisch zu stehen, weil da Leute auf mich zukommen und mir Neues erzählen, etwas zu kritisieren haben oder einfach nur “danke” sagen. Weiterhin muss ich Dinge tun – keine schlimmen und nicht selten wunderbare – mit denen ich ausreichend verdiene, um weiter Bücher schreiben zu können. Mir wird klar, es wird Zeit für mehr Bücher.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Manchmal wünsche mir eine nimmermüde gute Fee, eine persönliche Lektorin, eine ständige Rechercheassistentin, einen Rückenfreihalter, denn ich mache zu viel selbst. Manchmal reibe ich mich schon am Tage mit der Selbstorganisation als Autor und Journalist auf, während ich am Abend die Frische für ein offenes Gespräch brauche. Im Grunde fehlt bei meiner Arbeit jemand wie die tollen Büroassistentinnen im Tatort, die aus Netz und Registern unglaubliche Details ans Licht befördern und immer schon an der richtigen Stelle angerufen haben, wenn der Ermittler gerade auf den Gedanken kommt. Aber dazu hätte ich doch wohl Polizeikommissar werden müssen.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

  • Veranstalter, die mich zu Lesungen über die Berliner Biermanufakturen einladen
  • Verlage mit Buchprojekten aus meinen Tiefenbereichen: Natureis, Bier, Ecuador, Alexander von Humboldt oder mit ambitionierten neuen Ideen
  • Redakteure mit Reportage-Themen aus eben diesen Themenfeldern.
  • Journalisten und Blogger, die sich für Mikrobrauer, Craft Bier und Biermanufakturen interessieren
  • Menschen, die mich in dem jungen Planetarium von Twitter, Netzwerken und Co. unterstützen
  • Jemand, der mir in kurzer Zeit beibringt, lustvoll mit zehn Fingern zu schreiben.

Wo finden wir Sie im Internet?

www.korneffel.de

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Foto von Luca Zanetti: Peter Korneffel (r) im Gespräch mit einem Fischer auf der Insel Santa Cruz del Islote / Kolumbien, der am dichtesten besiedelten Insel der Erde.

Job- und Projektangebote seit Mitte März

1. April 2015

PublishingMarkt.de ist die Job- und Projektbörse für den Publishing-Markt – kostenlos nutzbar und redaktionell gepflegt von Leander Wattig. Auf dieser Seite können Unternehmen und Kreativschaffende kostenlos und ohne Anmeldung oder Registrierung Einträge erstellen. Nach Verfassen und Freigabe eines Eintrags wird eine Bestätigung an die vom Akteur hinterlegte E-Mail-Adresse verschickt. In dieser E-Mail befindet sich auch ein Link, über den ein späteres Bearbeiten oder Löschen des Eintrags möglich ist. Sie können also komplett eigenständig und unabhängig agieren, was allen Beteiligten Zeit spart.

Job- und Projektangebote seit Mitte März

Manuel Deinert: Die Pforten der Büchergruft sind geöffnet

30. März 2015

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Manuel DeinertWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin der klassische Bibliophile, der an keinem Buchladen und an keiner Trödelkiste vorbeigehen kann, ohne darin zu stöbern. Ich sammele historische Bücher mit dem Inhaltsschwerpunkt deutsche Geschichte, Sagen, Mythologie, Lyrik, von den Anfängen der germanischen Kultur, über den Einzug des Christentums bis zum Anfang der Weltkriege. Vom klassischen Roman bis hin zur Butzenscheibenlyrik verschlinge ich alles, was mir dazu in die Finger kommt. Mittlerweile habe ich eine umfangreiche Sammlung, die ich nun auf facebook präsentiere. Die Idee dazu kam mir, da Freunde und Arbeitskollegen immer wieder staunen, wie viele alte Schinken in meinen Bücherregalen stehen, bzw. wie viele Büchersendungen ich im Monat per Post erhalte. Fast andächtig blättern sie in den Büchern herum und sind begeistert, solche Werke „mal in echt“ zu sehen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich gehe einem geregelten, normalen Broterwerb nach. Mein Hin- und Rückweg zur Arbeit erlaubt es mir aber, viel zu lesen. Somit kommen einige Bücher im Monat zusammen, zu denen ich mir Notizen zu interessanten Stellen, Worten, Ereignissen, Orten, … mache. Diese Notizen werden dann daheim aufgearbeitet. Ich schlage alte Worte nach, suche im Internet nach jenen sagenumwobenen Orten oder historischen Personen, die im Buch erwähnt werden. Anschließend schreibe ich eine kurze Zusammenfassung der Geschichte, scanne wichtige Seiten ein und speichere sie auf dem PC. Nach und nach lade ich sie dann bei facebook hoch.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Da es noch ein recht frisches Projekt ist, kann ich von Veränderung nicht sprechen. Es wird aber wahrscheinlich immer die Zeit sein, die mich vor Probleme stellen wird. Es ist immerhin recht aufwendig, was ich da mache. Zum anderen wird es spannend sein, inwieweit ich immer weitere alte Bücher zu den Themen finden werde. Es gibt sicherlich genügend, ich muss sie nur finden.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Wie schon angesprochen, ist das Hauptproblem, neue Bücher zu entdecken. Zum Glück haben damals schon viele Verlage die letzten Buchseiten dazu genutzt, auf weitere Titel des Hauses hinzuweisen. Ansonsten finde ich Bücher beim Stöbern in Bestandslisten von Online-Antiquariaten oder Buchkisten auf Büchermärkten.

Das Hauptanliegen meiner facebook-Seite ist allerdings, anderen Menschen diese alten Bücher zugänglich und schmackhaft zu machen und die Bücher und Autoren so vor dem Vergessenwerden zu bewahren. Es ist immer wieder ergreifend, ein Buch in die Hand zu nehmen, das über hundert Jahre alt ist und von Dingen erzählt, die wir heute nicht mehr kennen – in einer Sprache, die gleichsam fremd wie märchenhaft vertraut klingt. Ich möchte den heutigen Leseratten die Möglichkeit geben, in diesen vergessenen Werken zu blättern und den Staub der Zeit selbst fortzublasen – in der Hoffnung, dass sie genauso ergriffen und begeistert sein werden wie ich.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Da ich wahrscheinlich mein Lebtag nicht annähernd alle Bücher zu meinem bevorzugten Themengebiet entdecken werde, bin ich über jeden Hinweis dankbar. Wer Autoren kennt, die über geschichtliche, sagenhafte Themen lyrisch oder romanhaft geschrieben haben, darf mich gerne anschreiben. Aber auch ein Austausch zu den einzelnen Büchern oder zum Thema an sich wäre spannend. Mit Gleichgesinnten über Leidenschaften zu sprechen, ist immer motivierend. Ich freue mich aber auch über jeden „stillen“ Besuch meiner Seite oder einen Kommentar, dass die Seite zu gefallen weiß. Somit wüsste ich, dass es nicht umsonst ist, was ich da tue.

Wo finden wir Sie im Internet?

Der Büchernarr, Geschichtsfreund oder einfach Neugierige findet meine Büchergruft auf facebook.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Manuel Deinert